Serie
ab 12. November auf arte.tv
und
um 21.00 Uhr auf ARTE
ab 13. November in der ARD Mediathek
und
am 20. November um 00:05 im Ersten
Drehbuch: Jonas Zimmermann, Leo Khasin, Andrej Sorin
Regie: Wolfgang Groos
Mit: Jannik Schümann, Nilam Farooq, Rezo Tschchikwischwili, Marina Weis, Thomas Loibl, Garry Fischmann, Maria Simon
ARTE/SWR, Odeon Fiction
Deutschland, 2026, 6x30 Min.
Die Eltern von Schauspieler Wanja betreiben ein Restaurant in Berlin. Sie sind bereits vor drei Jahrzehnten nach Berlin gekommen und sind als russlanddeutsche Migranten immer noch nicht in der "Mitte der Gesellschaft" angekommen. Wanja selbst tut sich schwer, seine Schauspielkarriere voranzutreiben.
Um für ein internationales Casting in Frage zu kommen, gibt sich der Dreißigjährige kurzerhand als Jude aus, um dem geforderten Profil zu entsprechen. Sechsteilige Culture-Clash-Komödie
FOLGE 1
Die Lüge
Wanja Germanns Schauspielkarriere stagniert bevor sie jemals wirklich in Fahrt gekommen ist. Im Escaperoom seines Kumpels Assaf (Garry Fischmann) ist er der Star, aber bei der Party von Kollegen aus der Schauspielschule muss er sich peinlich durchlavieren. Gerettet wird er von der bewunderten Dana, von der alle wissen, dass sie im nächsten Kinofilm von Hollywoodgröße Sam Rosenberg die weibliche Hauptrolle spielen wird. Wanja gelingt es sogar, Dana zu dem Soloabend einzuladen, mit dem er endlich durchstarten will. Für die Speisen der anschließenden Party sorgen seine Eltern aus ihrem ursprünglich mal russisch-kasachischen, nach diversen Versuchen gerade moldauischen Restaurant. Da Dana zur Feier kommt und noch dazu die Produzentin ihres neues Films mitbringt, erfährt Wanja, dass für die männliche Hauptrolle von „Jossi“ ein Schauspieler russischer Abstammung gesucht wird. Das ist aber nur eine der Voraussetzungen, denn um authentisch besetzt zu werden, muss er außerdem auch jüdisch sein.
FOLGE 2
Der Nachweis
Nachdem Wanja kurzerhand vorgegeben hat, Jude zu sein, um die Rolle des Jossi zu bekommen, wird er tatsächlich zum Casting eingeladen. Es scheint sogar gut zu laufen. Nur - der Produktionsfirma muss er für seine jüdische Abstammung einen Nachweis bringen. Dana findet das total easy. Aber sie ist ja auch wirklich Jüdin und ahnt nicht, dass die Aufgabe für den vorgeblichen Juden Wanja schier unerfüllbar ist. Die Folge: viele Fragen und etliche Notlügen. Wanja ist drauf und dran, auf die Fälscherkontakte seines Vaters Boris zurückzugreifen. Die kann er sich aber dann doch nicht leisten. Wanja will schon aufgeben, als sein Blick im Escaperoom auf ein interessantes Dekorationsstück fällt…
FOLGE 3
Kosher Kroshka
Der Regisseur Sam Rosenberg himself reist aus Hollywood an. Endlich ein vielversprechender Bewerber für die Figur Jossi, der alle identitätspolitischen Voraussetzungen erfüllt! Dana verspricht dem überaus aufgeregten Wanja, mit ihm zu proben, wenn er sie im Gegenzug zur Bar Mitzwa ihres Neffen begleitet, für die sie einen vorzeigbaren Begleiter benötigt. Wanja ist glücklich. Bis Sam ihn lieber kennenlernen als spielen sehen will und zwar im - selbstverständlich jüdischen - Restaurant seiner Eltern. Mit seiner korrekten Mutter Sveta kann Wanja über das neue Problem nicht reden. Vater Boris dagegen nimmt die Sache sportlich und als eine Herausforderung, wie er sie liebt. Nach den vielen postsowjetischen Identitäten des Restaurants wird er doch wohl auch russisch-jüdisch hinbekommen! Außerdem hat Wanja doch mit Assaf einen original jüdischen und zudem sehr einfallsreichen Freund…
FOLGE 4
Das Attentat
Weil Wanja beim Restaurantbesuch Sam Rosenbergs Erwartungen nicht erfüllt, wirft dieser ihn wieder raus. Die Bar Mitzwa mit Dana will er trotzdem nicht absagen. Bei der Feier wird ihm viel positive Aufmerksamkeit zuteil, da sich in der Gemeinde herumgesprochen hat, dass er den Widerstandskämpfer Jossi spielen soll. Wanja hat ehrliche Gefühle für Dana entwickelt und er will ihr so bald wie möglich die Wahrheit über seine fiktive jüdische Abstammung sagen. Beim Verlassen der Synagoge sieht er einen Mann, der sich äußerst suspekt dem Gebäude nähert. Wanja handelt mal wieder spontan...
FOLGE 5
Hosen runter
Als Wanja im Krankenhaus aufwacht, ist er der Retter der Synagoge und der berühmteste Jude Deutschlands. Außerdem hat er die Rolle wieder, denn auch Sam Rosenberg ist von seinem mutigen Handeln beeindruckt. Produzentin Bettina sieht die Geschichte sowieso als ideale Werbung und nutzt sie sofort, um die PR für den Film zu starten. Sam wiederum setzt ein Retreat auf dem Land an, bei dem er mit Wanja und Dana so tief wie möglich in die Rollen eintauchen will. Und eine Überraschung hat er auch noch für die beiden. Schon wieder keine Gelegenheit für Wanja, endlich Dana seine Lüge zu offenbaren. Stattdessen erklärt er ihr seine Liebe. Als es ganz so aussieht, als würden die beiden im Bett landen, fällt Wanja plötzlich ein, dass hier ein weiteres Indiz seine Lüge entlarven könnte…
FOLGE 6
Die Wahrheit
Wanja ist tief beeindruckt von der Begegnung mit dem echten Widerstandskämpfer Jossi im Retreat, zugleich tief bedrückt, weil er mittlerweile ganz Deutschland belügt und tieftraurig, weil sie nach seinem Rückzug vom Vorabend nichts mehr von ihm wissen will. Wanja kehrt in die Stadt zurück. Ein Talkshow-Auftritt als Held, der todesmutig einen Anschlag auf seine Synagoge verhindert hat, steht ihm bevor und bereitet ihm zusätzliche Sorgen. Die enttäuschte Dana hinterfragt inzwischen nicht nur Wanjas Gefühle, sondern auch seine jüdischen Wurzeln. Vor einem Millionenpublikum muss Wanja entscheiden, wie er mit der Wahrheit umgeht…
FOLGE 1
Die Lüge
Wanja Germanns Schauspielkarriere stagniert bevor sie jemals wirklich in Fahrt gekommen ist. Im Escaperoom seines Kumpels Assaf (Garry Fischmann) ist er der Star, aber bei der Party von Kollegen aus der Schauspielschule muss er sich peinlich durchlavieren. Gerettet wird er von der bewunderten Dana, von der alle wissen, dass sie im nächsten Kinofilm von Hollywoodgröße Sam Rosenberg die weibliche Hauptrolle spielen wird. Wanja gelingt es sogar, Dana zu dem Soloabend einzuladen, mit dem er endlich durchstarten will. Für die Speisen der anschließenden Party sorgen seine Eltern aus ihrem ursprünglich mal russisch-kasachischen, nach diversen Versuchen gerade moldauischen Restaurant. Da Dana zur Feier kommt und noch dazu die Produzentin ihres neues Films mitbringt, erfährt Wanja, dass für die männliche Hauptrolle von „Jossi“ ein Schauspieler russischer Abstammung gesucht wird. Das ist aber nur eine der Voraussetzungen,m denn um authentisch besetzt zu werden, muss er außerdem auch jüdisch sein.
FOLGE 2
Der Nachweis
Wanja hat kurzerhand vorgegeben, Jude zu sein, um die Rolle des Jossi zu bekommen, und wird tatsächlich zum Casting eingeladen. Es scheint sogar gut zu laufen. Nur - der Produktionsfirma muss er für seine jüdische Abstammung einen Nachweis bringen. Dana findet das total easy. Aber sie ist ja auch wirklich Jüdin und ahnt nicht, dass die Aufgabe für den vorgeblichen Juden Wanja schier unerfüllbar ist. Viele Fragen und etliche Notlügen später ist Wanja fast so weit, auf die Fälscherkontakte seines Vaters Boris zurückzugreifen. Die er sich aber ohnehin nicht leisten kann. Wanja will schon aufgeben, als sein Blick im Escaperoom auf ein interesssantes Dekorationsstück fällt…
FOLGE 3
Kosher Kroshka
Sam Rosenberg himself reist aus Hollywood an. Endlich ein vielversprechender Bewerber für „Jossi“, der alle identitätspolitischen Voraussetzungen erfüllt! Dana verspricht dem überaus aufgeregten Wanja, mit ihm zu proben, wenn er sie im Gegenzug zur Bar Mitzwa ihres Neffen begleitet, für die sie einen vorzeigbaren Begleiter benötigt. Wanja ist glücklich. Bis Sam ihn lieber kennenlernen als spielen sehen will und zwar im - selbstverständlich jüdischen - Restaurant seiner Eltern. Mit seiner korrekten Mutter Sveta kann Wanja über das neue Problem nicht reden. Vater Boris dagegen nimmt die Sache sportlich. Nach den vielen postsowjetischen Identitäten des Restaurants wird er doch wohl auch russisch-jüdisch hinbekommen! Außerdem hat Wanja doch mit Assaf einen originalen jüdischen Freund…
FOLGE 4
Das Attentat
Während die Amsterdamer Juden gezwungen werden, ihre Fahrräder abzugeben, erhält Spier eine Vorladung ins Durchgangslager Westerbork, von wo aus Juden deportiert werden. Um ihn zu schützen, schlägt Etty ihm vor, zu heiraten. Auf einem Fest bei Spier enthüllt ihre Freundin Lizzie ihren Plan zur Flucht aus den Niederlanden.
Als auch Etty eine Vorladung erhält, fordert ihr Geliebter Han, dass sie beim Amsterdamer Judenrat eine Freistellung erringen soll. Dort erlebt sie das Chaos verzweifelter Menschen, deren Namen auf Deportationslisten stehen. Etty kämpft mit dem inneren Zwiespalt, ob sie ihre Haut retten oder bei Spier bleiben soll.
FOLGE 5
Hosen runter
Als Wanja im Krankenhaus aufwacht, ist er der Retter der Synagoge und der berühmteste Jude Deutschlands. Außerdem hat er die Rolle wieder, denn auch Sam Rosenberg ist beeindruckt. Produzentin Bettina sieht die Geschichte sowieso als ideale kostenlose Werbung und steigt sofort in die PR für den Film ein. Sam wiederum setzt ein Retreat auf dem Land an, bei dem er mit Wanja und Dana so tief wie möglich in die Rollen eintauchen will. Und eine Überraschung hat er auch noch für die beiden. Schon wieder keine Gelegenheit für Wanja, endlich Dana seine Lüge zu offenbaren. Stattdessen erklärt er ihr seine Liebe. Als es ganz so aussieht, als würden die beiden im Bett landen, fällt Wanja plötzlich ein, dass hier ein weiteres Indiz seine Lüge entlarven könnte…
FOLGE 6
Die Wahrheit
Tief beeindruckt von der Begegnung im Retreat, tief bedrückt, weil er Dana belügt und tieftraurig, weil sie nach seinem Rückzug vom Vorabend nichts mehr von ihm wissen will, kehrt Wanja in die Stadt zurück. Der nächste Schritt in der PR für den Film ist ein Talkshowauftritt als Stimme des Judentums liegt vor ihm und bereitet ihm Sorgen. Während die enttäuschte Dana inzwischen nicht nur Wanjas Gefühle hinterfragt, sondern auch seine jüdischen Wurzeln. Vor einem Millionenpublikum muss Wanja entscheiden, wie er mit der Wahrheit umgeht…
PRODUCER'S NOTE
ZUR GENESE VON JOSSI
Die Idee zu der Serie JOSSI kam mir durch meine jüdische, osteuropäische Familie. Ich dachte, man müsste den besonderen Humor der weitgehend unbekannten Community in Deutschland würdigen und stärker in den Fokus der deutschen TV-Landschaft rücken. Dafür suchte ich einen russland-deutschen Autor und kam auf den Schauspieler Dimitrij Schaad, der damals gerade mit dem Schreiben begann. Er selbst kommt aus Kasachstan. Als wir darüber sprachen, eine russisch-deutsche Familien-Comedy zu machen, kam uns die Serienprämisse vom mittellosen russland-deutschen Schauspieler, der vorgibt Jude zu sein, um eine Hauptrolle in einem großen Film zu bekommen. Dimitrij und ein Writer’s Room mit jüdischen Autoren haben dann das Konzept geschrieben, mit dem wir den SWR und ARTE überzeugen konnten
Manchmal kommen mehrere Aufträge gleichzeitig und so mussten Dimitrij und der Writer’s Room sich schweren Herzens von dem Projekt aufgrund anderer Verpflichtungen wieder verabschieden. Ich habe es dann, in Absprache mit ihm, in die Hände von Jonas Zimmermann, Leo Kashin und Andrej Sorin gegeben, die durch ihre jüdischen, bzw. russischen Wurzeln und vor allem durch ihr großes Talent die idealen Autoren waren, um die Serie zu schreiben.
INTERVIEW MIT DEN AUTOREN JONAS ZIMMERMANN (HEADAUTOR), LEO KASHIN SOWIE ANDREJ SORIN
Ihr habt als Autorentrio unterschiedliche Herkunftsgeschichten in die Entstehung von „Jossi“ mitgebracht. Wie wichtig war euch das und wie ist es in die Arbeit an der Serie eingeflossen? Ging es um Milieuinformationen, Lebenserfahrungen oder auch gegenseitige Ermutigung, nicht zu vorsichtig vorzugehen und sich von Diversitätsfragen schrecken zu lassen?
Jonas Zimmermann: Ich finde die Lebenserfahrung von Andrej und Leo, die sie in das Projekt mitgebracht haben war unbezahlbar. Die hatten ein Wissen, das ich nicht hatte. Ich mache das mal an einem Beispiel fest: Beim ersten Lesen habe ich Sveta die Mutter von Wanja nicht verstanden. Warum verlässt sie ihren Mann Boris nicht direkt, obwohl sie weiß, dass er sie die ganze Zeit anlügt? Die beiden haben mir erklärt, dass da ein Kulturunterschied ist. Die Hürde sich zu trennen ist noch viel größer. Fragen wie diese konnten wir in Gesprächen klären. Oder um es noch deutlicher zu sagen: Ohne die beiden, wäre ich aufgeschmissen gewesen.
Leo Khasin: Ich wollte zuallererst eine Geschichte miterzählen, die auch ohne den ganzen kulturellen Hintergrund funktioniert. Die Geschichte hätte auch einem Schauspieler passieren können, der keinen russischen Migrationshintergrund hat. Die Culture-Clash-Komponente war und ist für mich eine Art Bonus. Im deutschen Fernsehen gibt es so einige Culture-Clash-Komödien, aber keine, die die russischsprachige Community widerspiegelt. Das war für mich ein besonderer Ansporn.
Andrej Sorin: Ich habe mich sehr gefreut, dass es endlich ein Projekt gab, das die deutschrussische Perspektive in Deutschland erzählt, und als ich angefragt wurde, wollte ich unbedingt dabei sein. Vieles von dem, was ich selbst erlebt und beobachtet habe, konnte ich in die Drehbücher einfließen lassen. Die Szene etwa, in der der kleine Wanja kurz nach der Ankunft in Deutschland einen deutschen Namen bekommen soll, ist mir genau so passiert. Der trostlose deutsche Beamte, der einem sagt: „Wenn du Erfolg in diesem Land haben willst, musst du deinen Namen ändern.“
Wie hast Du das Ganze als Headautor zusammengehalten, Jonas?
Jonas Zimmermann: Ein Zusammenhalten war da nicht groß nötig. Wir haben schon alle am gleichen Strang gezogen. Meine Aufgabe war eher strukturell und dramaturgisch. Zum Beispiel, im Writer‘s Room derjenige zu sein, der das Gespräch lenkt. Etwa: “Wir brauchen eine Lösung für dieses Problem.” Oder noch mal in einer internen Runde Feedback zu geben bevor die Bücher an Produktion und Redaktion rausgehen.
In der Serie werden im Großen und Kleinen Identitätsfragen und Fragen kultureller Aneignung durchgespielt. Wo lag da Eure Absicht, wie habt Ihr dosiert?
Jonas Zimmermann: Ich denke, in der Serie geht es viel mehr um die Leute, die von außen etwas in eine Identität reinprojzieren als um die Identität selbst. Meine Absicht zumindest war es, sich genau darüber lustig zu machen. Etwa über den Regisseur, der sagt: “Das muss ein Jude spielen!” Der sich aber nie hinterfragt, dass er ja auch selber keine Expertise mitbringt und sichtlich auch nur auf Klischees aus ist. Dennoch, so hoffe ich, gibt die Serie da gar nicht so viel Haltung vor, sondern überlässt die Bewertung den Zuschauenden.
Andrej Sorin: PC bestimmt heute unseren Alltag. Gendern oder nicht gendern, was darf man sagen, was schreiben? Es gibt so viele Regeln und man hat ständig die Sorge in ein Fettnäpfchen zu treten. Ich will nicht sagen, dass PC falsch ist. Aber mit all den Regeln schränkt sie uns Künstler manchmal auch ein. „Jossi“ war eine Möglichkeit Dampf abzulassen und zu sagen: Take it easy.
Wieviel Klischee kann man sich dabei gestatten?
Jonas Zimmermann: Bei Identitätsfragen? Hoffentlich nicht so viele. Aber es gibt Figuren in dieser Serie, die in Klischees fallen. Das war uns klar, als wir das Projekt übernommen haben und es war klar, dass wir die nicht rauswerfen, oder komplett ändern. Das war nicht unsere Aufgabe. Unser Ziel, war stattdessen, nicht homogen zu erzählen. Nicht nur eine einzelne Figur einer Minorität auftauchen zu lassen und die ist nur dafür da ein komplettes Klischee zu sein. Wir haben viele unterschiedliche Figuren. Aspekte mancher Figuren fallen in Klischees, aber wir hoffen, dass die Zuschauenden erkennen, dass wir nicht sagen wollen: Guck mal, die sind alle so!
Leo Khasin: Klischee ist die Basis eines guten Witzes. Die Sache ist, was man daraus macht. Und so sind wir damit auch umgegangen. Wir haben uns vieler Klischees bedient und dann geschaut, wie wir sie in etwas Besonderes und Eigenes umwandeln.
Was macht Figuren wie Wanja und sein Vater, die sich immer selbst in ihre Zwickmühlen hineinreiten, reizvoll für Autoren?
Jonas Zimmermann: Die beiden sind einfach ein Motor für Konflikte. Und Geschichte lebt von Konflikt. Darüber hinaus entsteht bei den beiden auch viel Humor. Wir wissen etwas, die wissen etwas, aber einer anderen Figur erzählen sie etwas anderes. Das macht Spaß zu sehen. Es ist eine große Leistung von Rezo und Jannick, dass uns die beiden dabei sympathisch bleiben.
Leo Khasin: Die besten Komödienfiguren sind die, die sich durch ihre Fehler und Schwächen in komische Situationen selbst hineinreiten. Sie selbst finden sich nicht komisch. Aber man lacht über ihre Missgeschicke, ob aus Schadenfreud oder Selbstreflexion. Und so haben wir Wanja und Boris zum Leben erweckt.
Andrej Sorin: Solche Figuren machen einfach nur Spaß. Man will sie anschreien und hoffen, dass sie es nicht noch schlimmer machen. Aber genau das passiert dann: Sie machen alles nur noch schlimmer.
Ist gerade richtiger Zeitpunkt für eine Serie wie „Jossi“? Was kann Comedy über Identität, Herkunft und gesellschaftliche Zuschreibungen beim Publikum erreichen, das ein ernsterer Zugang vielleicht nicht könnte?
Jonas Zimmermann: Ich denke ja. Wir kommen mit diesen Themen ja in eine angeheizte Debatte. Da können mit etwas Komödiantischem hoffentlich ein bisschen Entspannung reinbringen und Aspekte beleuchten, die ein ernster Ansatz nicht könnte.
Andrej Sorin: Ich finde, das ist genau der richtige Zeitpunkt für diese Serie und ich bin sehr auf die Reaktionen aus dem Publikum gespannt. Meiner Meinung nach hat Comedy einen Vorteil gegenüber einem ernsten Drama: Sie kann eine wichtige Botschaft nicht durch die Haupttür, sondern durch den Hintereingang transportieren. Dadurch wird sie niedrigschwelliger und zugänglicher für die breite Masse.
Leo Khasin: Lachen ist gesund, vor allem in einer aufgeheizten politischen Stimmung, die gerade in Deutschland herrscht.
Und was hat Euch bei „Jossi“ am meisten Spaß gemacht?
Jonas Zimmermann: Ganz eindeutig die Zusammenarbeit im Writer‘s Room.
Leo Khasin: Das würde ich genauso unterschreiben.
Andrej Sorin: Ich wurde von meinen Co-Autoren gezwungen, diese Aussage zu unterschreiben.
INTERVIEW MIT REGISSEUR WOLFGANG GROOS
Was hat dich an JOSSI beim ersten Lesen besonders gereizt?
Für mich außergewöhnlich war die Qualität der Drehbücher, man konnte schon das Tempo der Serie sehen. Und ich mochte, dass man sich gerade in der Komödie was getraut hat und unkonventionell war.
Die Serie macht Comedy aus einer ziemlich wilden Culture-Clash-Konstellation und berührt gleichzeitig Themen wie Herkunft/Diaspora, jüdische Identität und Antisemitismus. Wie findet man als Regisseur die richtige Balance zwischen Zuspitzung, Humor und Sensibilität?
Das war für mich auch etwas, was mich viel beschäftigt hat, da ich weder jüdischen Glaubens bin noch einen russlanddeutschen Hintergrund habe. Ich wollte beiden Aspekten mit großem Respekt begegnen und hatte dabei tolle Unterstützung von den beiden Autoren Leo Khasin und Andrej Sorin. Vielleicht war es aber gerade deshalb eine gute und richtige Entscheidung der Sender und des Produzenten, mich dafür zu gewinnen – gerade weil ich nicht „vorbelastet“ bin. Mir war es unheimlich wichtig, authentisch zu sein. Die Autoren haben mich dabei immer wieder ermutigt, mutig zu sein und keine Angst davor zu haben, jemandem auf die Füße zu treten. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen.
Regisseur Sam Rosenberg besteht darauf, einen „echten“ jüdischen Schauspieler für seinen Film zu finden. Bei der Besetzung von JOSSI habt ihr es nicht ganz so streng gesehen. Musstest du darüber schmunzeln oder wie seid ihr mit der Frage umgegangen, wer welche Identität spielen kann?
Wir haben das bei Nilam Farooq ganz bewusst so gemacht, denn genau darum geht es ja auch. Es kann nicht sein, dass man Schauspielende nach ihrer Religion fragt – und dann am besten noch danach, ob und wie sie diese praktizieren. Bei einem Massenmörder stellt schließlich auch niemand die Frage, ob die Rolle von einem Massenmörder gespielt werden sollte. Entscheidend ist für mich, dass eine Besetzung glaubwürdig ist. Viel wichtiger war uns deshalb beispielsweise, dass die Schauspielenden, die russisch sprechen, die Sprache auch wirklich gut beherrschen. Alles andere hätte der Glaubwürdigkeit der erzählten Welt geschadet.
Was war dir bei der Führung dieses sehr vielfältigen Ensembles besonders wichtig – und was haben die Schauspieler:innen selbst in ihre Figuren eingebracht?
Dieses wunderbare Ensemble war für mich ein Traum, und daher geht ein riesiger Dank auch an unsere Casting-Direktorin Iris Baumüller. Gerade die Szenen mit der ganzen Familie hatten eine tolle Dynamik, bei der wir schon während des Drehs wussten: Die Szenen werden spitze. Wenn man dann noch mit Jannik Schümann, Nilam Farooq und Thomas Loibl drehen darf, ist das für mich als Regisseur natürlich ein Fest. Wie viel am Ende von den Autoren, den Schauspielenden oder von mir in die einzelnen Figuren eingeflossen ist, lässt sich hinterher eigentlich nur noch schwer sagen.
JOSSI wechselt ständig zwischen Familienchaos, Liebesgeschichte, Filmwelt und Culture Clash. Was war für dich als Regisseur die größte Herausforderung – und worauf bist du beim fertigen Ergebnis besonders stolz?
Ich bin besonders froh, dass wir das Tempo, die emotionalen Bögen und das komödiantische Potenzial der Drehbücher am Ende auch in den fertigen Folgen wiederfinden. Besonders stolz bin ich auf die Zusammenarbeit mit unserem DOP Armin Golisano. Ohne seinen Einsatz, sein feines Auge und unsere enge Zusammenarbeit hätten wir das in der sehr kurzen Drehzeit so nicht meistern können. Natürlich steht dahinter ein ganzes Team, aber Armin war für mich dabei ganz entscheidend. Besonders herausfordernd waren für mich die Bar Mitzwa-Szenen. Hier wollte ich unbedingt sensibel und authentisch erzählen und nichts falsch machen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Leo Khasin mit dem Ergebnis sehr zufrieden war.
INTERVIEW MIT JANNIK SCHÜMANN (WANJA GERMANN)
Wanja ist Schauspieler, doch die größte Rolle seines Lebens spielt er irgendwann nicht mehr vor der Kamera. Was hat dich an dieser absurden Ausgangslage besonders angesprochen?
Wanja gibt sich als Jude aus, um eine Rolle zu bekommen. Damit berührt der Film auch eine grundsätzliche Frage über das Schauspiel: Wo liegen die Grenzen zwischen persönlicher Erfahrung, Identität und schauspielerischer Vorstellungskraft? Was muss ein Schauspieler selbst mitbringen, um eine Figur glaubwürdig verkörpern zu können?
Eine kleine Lüge wird immer größer, bis Wanja praktisch sein gesamtes Leben danach ausrichten muss. Wie spielt man eine Figur, die sich permanent tiefer ins Chaos manövriert und mit der das Publikum trotzdem mitgehen soll?
Das Schöne und gleichzeitig Tragische an Wanja ist, dass er sich immer tiefer hineinmanövriert, dabei aber nie das Gefühl hat, die Kontrolle völlig zu verlieren. Dieses „ach, das kriege ich schon wieder hin“ kennt man ja auch aus dem eigenen Leben. Er versucht eigentlich die ganze Zeit, alles irgendwie richtig zu machen – und genau das macht ihn hoffentlich menschlich und sympathisch. Man muss ihm nicht unbedingt zustimmen, aber man sollte verstehen, warum er den nächsten Schritt macht.
Wanja kommt aus einem russlanddeutschen Umfeld und findet sich in der jüdischen Community wieder – was hat dich an beiden Welten interessiert und hast du dich speziell auf diese vorbereitet?
Ich bin weder russlanddeutsch noch jüdisch, deshalb war es für mich wahnsinnig spannend und gleichzeitig eine große Herausforderung, einen deutsch-russischen jungen Mann zu verkörpern, der vorgibt, jüdisch zu sein. Ich wollte diese beiden Welten so authentisch wie möglich verstehen und darstellen. Dafür habe ich unter anderem Russischunterricht von unserem Autor Leo Kashin bekommen, der selbst jüdisch ist. Er war außerdem als Berater am Set und eine wichtige Unterstützung für mich.
Wanja braucht irgendwann seine ganze Familie, um seine Geschichte aufrechtzuerhalten. Was hat dir am Zusammenspiel der Familie Germann und an diesem ganz eigenen Familienchaos gefallen?
Das war für mich eines der schönsten Dinge an den Dreharbeiten. Ich habe es geliebt, mit „meiner Familie“ zu spielen. Am Set war die Energie so herzlich und gleichzeitig herrlich chaotisch, dass vieles ganz von allein entstanden ist. Ich glaube, genau dieses Familienchaos macht die Germanns so liebenswert. Und Marina Weis und Rezo Tschchikwischwili sind für mich sowieso die heimlichen Stars der Serie. Ich liebe es, den beiden zuzuschauen und hatte großes Glück, ihr „Sohn“ sein zu dürfen.
Man kennt dich bislang eher aus ernsteren Stoffen – in JOSSI darfst du dich nun ins Komödiantische stürzen. War das für dich eine besondere Herausforderung oder vielleicht sogar eine Seite, auf die du schon länger Lust hattest?
Ich wollte schon immer einmal „Komödie“ ausprobieren! Am Set war es dann tatsächlich so lustig, dass die größte Herausforderung oft darin bestand, selbst nicht zu lachen. Auf die Rolle habe ich mich außerdem mit der tollen Schauspielcoachin Laura Dabelstein vorbereitet, die mir sehr dabei geholfen hat, meinen Zugang zu Wanja zu finden.
JOSSI macht aus Wanjas Hochstapelei Comedy und berührt dabei gleichzeitig sehr reale Fragen von Herkunft und Zugehörigkeit. Wie habt ihr beim Dreh die Balance gefunden zwischen dem Mut zur Übertreibung und dem Respekt vor den Lebenswelten, die erzählt werden?
Für mich ist bei einer Komödie das Wichtigste, die Figur ernst zu nehmen. Wenn ich mich über Wanja lustig mache, funktioniert es nicht. Er selbst darf schließlich nie das Gefühl haben, dass sein Leben gerade völlig absurd ist. Die Komik entsteht eher daraus, dass wir als Zuschauende einen Schritt weiter sind und sehen, wie verrückt sich die Situation entwickelt. Gleichzeitig war es uns wichtig, die unterschiedlichen Lebenswelten und Fragen nach Herkunft und Zugehörigkeit nicht zur Pointe zu machen, sondern Wanja als Menschen ernst zu nehmen. Ich glaube, genau daraus entsteht die Balance. Man darf über die Situation lachen, ohne über die Menschen zu lachen, um die es dabei geht.
Hand aufs Herz: Welche Szene musste öfter wiederholt werden, weil am Set stets Gelächter ausbrach?
Jede Szene mit Thomas Loibl als Regisseur! Ich konnte mich mit ihm vor der Kamera am wenigsten zusammenreißen.
INTERVIEW MIT NILAM FAROOQ (DANA GOLD)
Was hat dir an JOSSI und an der Idee der Serie besonders gefallen? Was hat dich zum Lachen gebracht?
Mir hat besonders die Culture-Clash-Thematik gefallen. Ich finde es ganz wunderbar, wenn man auch über Themen, die grundsätzlich eine Schwere haben, auf eine humoristische Art etwas erzählen kann. Und ich fand beim Lesen schon sehr viele Rollen sehr herzlich und warm gestaltet, so auch meine. Und deswegen hat mich das Projekt total angesprochen. Außerdem mag ich das Serienformat sehr gerne.
Was für eine Figur ist Dana und was mochtest du besonders an ihr?
Ich finde bei Dana den Blick, den sie auf die Branche hat, ganz toll - weil ich den zu großen Teilen auch teile. Sie sieht das Ganze sehr entspannt. Sie brennt zwar dafür, aber sie verbrennt nicht daran und das finde ich sehr gesund. Außerdem hat sie eine super angenehme Wärme und ich glaube einfach: Dana is a nice person to be around.
Zwischen Dana und Wanja entwickelt sich trotz des ganzen Chaos eine besondere Nähe. Was verbindet die beiden für dich, und was macht ihre Beziehung so spannend?
Wir begleiten Dana und Wanja natürlich gerade erst am Anfang ihrer Beziehung. Das Offensichtliche, was sie verbindet, ist ihr Beruf: sie Schauspielerin, er Schauspieler. Und ansonsten ist es definitiv der Humor. Die beiden können gut zusammen lachen, sie sind schlagfertig und sich da sehr ähnlich. Das Spannende ist von außen betrachtet definitiv die Lüge, auf der die ganze Beziehung aufbaut. Und wie das funktioniert oder ob es funktioniert, werden wir sehen.
JOSSI erzählt von ganz unterschiedlichen kulturellen und familiären Hintergründen, ohne daraus eine schwere Geschichte zu machen. Du bist selbst in einem multikulturellen Umfeld aufgewachsen – gab es deshalb etwas an der Serie oder ihren Figuren, das dir besonders vertraut vorkam?
Mir ist natürlich sehr vertraut, dass die Kultur manchmal clashen kann mit dem Alltag, was aber eben auch in unserer Serie z. B. den Humor birgt. Das kenne ich genauso von zu Hause. Und mir ist ebenso vertraut, dass Religionen eine gewisse Rolle spielen. Das ist bei Wanja jetzt gar nicht so sehr der Fall – aber natürlich bei der Tatsache, dass er diesen Job haben möchte. Und bei mir zu Hause war das mit einem Moslem als Papa und einer Katholikin als Mama auch immer spannend und wurde immer sehr schön über Kompromisse gelöst.
Was glaubst du: Was macht JOSSI neben all dem Chaos und Humor zu einer Serie, in der sich sehr unterschiedliche Menschen wiederfinden können?
Aus der zuschauenden Perspektive glaube ich, dass es auf jeden Fall die Rollen um Wanja herum sind, die das Ganze ausmachen. Das sind so lustige und herzlich liebevoll erzählte und gespielte Charaktere und man kann über sie lachen, man kann mit ihnen lachen und jeder wird dort eine Figur wiederfinden, von der er mindestens sagt: So jemanden kenne ich auch. Und aus menschlicher Sicht ist es wahrscheinlich die Tatsache, dass man sich eingestehen muss, dass man manchmal auch in einer Situation war, in der man sich mit einer Lüge irgendwo reinkatapultiert und wiedergefunden hat, wo man eigentlich nicht sein wollte.
Du und Jannik habt viel gemeinsames komödiantisches Zusammenspiel. Wie habt ihr Timing und Dynamik zwischen Dana und Wanja entwickelt – gab es am Set auch Raum für Improvisation?
Wir haben da ehrlicherweise gar nicht groß dran entwickelt, da wir zusammen einfach einen guten Vibe haben und genau dafür gibt es ja auch Casting-Prozesse, in denen man in Konstellationen gecastet wird. Das heißt, unser Regisseur Wolfgang hat da schon gesehen, dass es zwischen uns passt. So war es dann auch am Set und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht. Wir hatten auch Raum zum Improvisieren, den haben wir uns teilweise auch genommen und teilweise mussten wir gar nicht viel improvisieren, weil die Dinge einfach gut waren, wie sie schon im Buch standen.
INTERVIEW MIT THOMAS LOIBL (SAM ROSENBERG)
Sam Rosenberg bewegt sich irgendwo zwischen großem Regisseur und Teil des immer absurder werdenden Chaos. Was für eine Figur ist Sam für dich – und wo liegt seine besondere Komik?
Ich hatte immer großen Spaß daran, mir einfach vorzustellen, Sam Rosenberg wäre eine Simulation aus einer Escape-Room-Fantasie von Jossi – entsprungen aus seinem tiefen Wunsch, endlich als Schauspieler durchstarten zu dürfen. Da erscheint Sam manchmal ganz real und manchmal wie ein Fiebertraum, wie ein Klischee: mit diesem exzentrischen Auftreten, einer herrlich bizarren Sprache und dieser schrankenlosen, fast neurotischen Energie.
JOSSI nimmt auch die Filmbranche aufs Korn: Castingprozesse, Vorgaben und den Wunsch, möglichst „authentisch“ zu besetzen. Wie hast du diese satirische Ebene der Serie wahrgenommen?
Das Thema der „Authentizität“ steht für mich im Zentrum dieser Serie und ist der Ausgangspunkt für all die wunderbar grotesken Situationen. „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ Daraus leitet Jossi – ganz Schauspieler – ab: „Wer soll ich sein? Und wenn ja, wie viele?“
Und dann merken wir, dass im Grunde alle Figuren in dieser Erzählung so unglaublich authentisch sein wollen und dabei so herrlich in eines der interessantesten Paradoxe stürzen, die wir kennen: Everybody lies! Aber wenn alle lügen, kann dieser Satz ja nicht stimmen. Oder vielleicht doch?
Wie war es, einen Regisseur zu spielen – ertappt man sich dabei, Erfahrungen aus dem eigenen Berufsleben einfließen zu lassen?
„Alle Charaktere und Ereignisse in dieser Show sind völlig fiktiv. […] Selbst jene, die auf realen Personen basieren.“
– South Park
JOSSI arbeitet mit viel Tempo, Übertreibung und immer größer werdendem Chaos. Ist diese Art von Comedy für dich als Schauspieler eine besondere Herausforderung – und was hat dir daran am meisten Spaß gemacht?
Nun ja, Komödie ist eigentlich immer das Schwerste, aber ich mag Herausforderung. Von der Bühne kommend liebe ich das hemmungslose Übertreiben, ja fast Chargieren und das Spiel zwischen Sprachwitz und Situationskomik, der Überforderung und der Absurdität des Augenblicks.
INTERVIEW MIT GARRY FISCHMANN (ASSAF)
Assaf hilft Wanja bei seinem immer größer werdenden Lügenkonstrukt – und scheut sich nicht, für den Erfolg seines Escape Rooms gerne einmal selbst zu flunkern. Sind die beiden das perfekte Team oder ein Match „made in hell“?
Beides! Sie unterstützen sich gegenseitig, nur häufig an den falschen Stellen, und das bietet so viel herrlich komisches Potenzial. Ich empfinde die beiden eigentlich als zwei Seiten einer Künstler-Persönlichkeit, die den Spagat zwischen Kunst und Kommerz maximal ausreizen – jeder auf seine Weise.
Du bist selbst jüdisch aufgewachsen, Russisch ist deine Muttersprache – in JOSSI treffen also einige Welten aufeinander, die du sehr gut kennst. Wie viel hast du von deiner eigenen Erfahrung in der Serie wiedererkannt und vielleicht auch in Assaf einbringen können?
Ich bin ja genau die Person, die laut Drehbuch nicht existiert: ein Russisch sprechender jüdischer Schauspieler, der nicht Daniel Donskoy heißt (lacht). Umso lustiger ist es, dass ich zwar mitspiele – aber als Israeli, der ich ja gar nicht bin. Aus eigener Erfahrung konnte ich am meisten die Versuche meines Umfeldes einbauen, mir doch endlich mal einen „richtigen“ Job zu suchen. Ich war sehr erleichtert, als ich meine Familie bei der Premiere beim Seriesly Berlin habe lachen hören und sie danach euphorisch zu mir kamen. Das passiert bei diesem Thema wirklich selten. Ansonsten habe ich natürlich auch Erfahrung darin, den „Almans“ das Judentum zu erklären.
JOSSI bewegt sich bei einigen Themen bewusst auf einem schmalen Grat. Was braucht es für dich, damit daraus gute Comedy entsteht und der Humor funktioniert?
Für mich braucht es bei diesen Themen authentische Perspektiven, die keine Angst davor haben, missverstanden zu werden. Gerade bei so aufgeladenen Themen wie Diversity, Russland, Israel und Judentum müssten wir alle mal Luft rauslassen, anstatt sie anzuhalten. Und das geht, glaube ich, nur, wenn wir aufhören, in Kategorien wie Richtig und Falsch zu denken, und uns trauen, lustvoll ins Klo zu greifen, anstatt mit dem moralischen Zeigefinger zu kommen.
Die Serie lebt stark von Tempo und Ensemble-Dynamik. Wie war die Zusammenarbeit innerhalb dieses sehr unterschiedlichen Casts?
Jannik hat einfach kurz vor dem Dreh unserem Regisseur und mir einen Termin im Escape Room gebucht. Das war wirklich super, um sich gegenseitig kennenzulernen. Ansonsten war die Arbeit mit Cast und Crew wirklich unglaublich harmonisch und professionell.
Stab und Besetzung
STAB
Regie
Wolfgang Groos
Drehbuch
Jonas Zimmermann (Headautor)
Leo Khasin
Andrej Sorin
Creator:
Dimitrij Schaad
Kamera
Armin Golisano
Schnitt
Jens Müller
Musik
Helmut Zerlett
Casting
Iris Baumüller
Margareta Abena
Produktion
Odeon Fiction
SWR
ARTE
Produzent
Philip Voges
Producer
Marcel Werner
Rafael Peiß
Redaktion
Brigitte Dithard (SWR)
Hildegard Wollbold (ARTE)
BESETZUNG
Jannik Schümann
(Wanja Germann)
Nilam Farooq
(Dana Gold)
Rezo Tschchikwischwili
(Boris Germann)
Marina Weis
(Sveta Germann)
Thomas Loibl
(Sam Rosenberg)
Garry Fischmann
(Assaf)
Irina Kurbanova
(Mascha Germann)
Ljuba Krbová
(Tante Luba)
Maria Simon
(Bettina)
PRESSEKONTAKT
Julia Kainz, Anastasia Korezatkow
PR Agentur filmcontact
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