Thriller-Drama-Serie

Ab Donnerstag, 3. Dezember 2026, auf arte.tv

und

alle Folgen ab 20.15 Uhr auf ARTE 

Ab Freitag, 4. Dezember 2026, in der ARD Mediathek  

und

am Mittwoch, 9. Dezember 2026, ab 20.15 Uhr im Ersten (Folgen 1+2)

sowie

am Freitag, 11. Dezember 2026,  ab 23.55 Uhr (Folgen 3-6)

Drehbuch: Richard Kropf (Headautor, Co-Creator), Luisa Hardenberg, Alexander Lindh, Katharina Brauer und Julian Gaupp-Maier

Regie: Pola Beck (Co-Creatorin), Stefan Schaller (Creative Producer)

Mit : Helena Zengel, Lucas Gregorowicz, Luise Heyer, Frederic Balonier, Samirah Breuer, Alexander Scheer, Anja Herden, Alexander Finkenwirth

WDR/ARTE, Flare Film und Beta Film, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem GMPF

Deutschland 2026, 6 x 45 Min.

 

Ronja Huck wächst wohlbehütet in einem wohlhabenden Elternhaus in Düsseldorf auf - Villa mit Pool, Feriendomizil mit Pferd in Südfrankreich. Gerade zieht sie in ihre erste eigene Wohnung, beginnt ein Medizinstudium, feiert mit Freundinnen und Freunden ihren 18. Geburtstag. Alles scheint perfekt. Doch am nächsten Morgen stürmt ein SEK ihre Wohnung – Ronja erfährt: Ihre Eltern wurden verhaftet. Der Vorwurf: bandenmäßiger Drogenhandel. Ronja kann es kaum glauben. Ihre Eltern – der Vater Geschäftsführer eines Sushi-Restaurants, die Mutter Galeristin – sind doch angesehene Geschäftsleute. Oder? Nach und nach erfährt Ronja durch polizeiliche Vernehmungen, die resolute Staatsanwältin Smicer und Hinweise aus dem Rockermilieu, dass ihre Eltern seit Jahren ein Doppelleben führen. Verzweifelt versucht sie, diese aus der Untersuchungshaft zu holen. Doch je tiefer sie gräbt, desto mehr muss sie erkennen: Ihre Kindheit basierte auf einer Lüge und selbst sie steht unter Verdacht. Unterstützt von ihrem Freund Louis, ihrer besten Freundin Azra und dem zweifelhaften Anwalt Stucki kämpft Ronja gegen alle Hindernisse – und muss sich in einen Machtkampf begeben, Loyalitätsfragen stellen und gleichzeitig allen Versuchungen widerstehen. Am Ende muss sich Ronja entscheiden: Auf welcher Seite steht sie?

FOLGE 1

Happy Birthday

Ronjas 18. Geburtstag entpuppt sich als Alptraum: Am Morgen nach der Party wird sie von einem Sondereinsatzkommando geweckt. Ihre Eltern wurden verhaftet. Ronja erfährt, dass es um einen der größten Fälle organisierter Kriminalität in NRW geht. Zweifel an ihrer vermeintlich heilen Familie kommen auf. Und Ronja gerät selbst ins Visier ...

FOLGE 2

Shibuya Dreams

Ronja ist fest entschlossen, die Unschuld ihrer Eltern zu beweisen. Nach dem ersten Gefängnisbesuch soll sie auf Bitten ihres Vaters Geld bei Schuldnern eintreiben. Dabei stößt sie auf Hinweise, die ihre Gewissheiten erschüttern. Sie zweifelt immer mehr an ihren Eltern ...

FOLGE 3

Underwater

Ronja entsorgt einen belastenden Fund im See und erfährt kurz darauf, dass Louis ihr mehr verschwiegen hat, als sie ahnte. Der Verrat trifft sie hart. Als sie sich der Polizei anvertrauen will, wird sie ausgebremst. Bei den Rockern erfährt sie schließlich: Peters Schulden sind nun ihre. Ronja soll ins Drogengeschäft einsteigen ...

FOLGE 4

Baking Bread

Um das verlorene Kokain zu ersetzen, strecken Ronja und Azra den Rest, und Ronja beginnt, tiefer ins Geschäft einzusteigen. Parallel kooperiert Maria mit der Staatsanwaltschaft und erklärt sich bereit auszusagen. In Ronja wächst ein beunruhigender Verdacht: Ihre Mutter könnte mehr mit den Rockern zu tun haben, als sie zugibt.

FOLGE 5

French Connection

Ronja ist in Südfrankreich, doch statt Urlaub zu machen, schmuggelt sie Kokain über die Grenze. Während sie tiefer ins Drogengeschäft rutscht und sich mit Louis versöhnt, riskiert Maria für ihre Tochter ihr Leben. Als Louis Ronjas Kurierjob übernimmt, endet der Deal dramatisch. Ronja hört am Telefon, wie er angeschossen wird ... 

FOLGE 6

Avelano

Mutter, Vater, Tochter – drei Perspektiven, drei Versionen der Vergangenheit. Im Prozess kämpft jeder für seine Wahrheit. Peter kommt dank einer weiteren Lüge und Ronjas Hilfe mit einer milden Strafe davon. Doch Marias Tagebuch enthüllt Ronja die Wahrheit über seine Verbrechen. Sie bricht endgültig mit ihm und reist nach Frankreich. Flucht oder Neubeginn – das bleibt offen.

FOLGE 1

Happy Birthday

Ronjas 18. Geburtstag entpuppt sich als Alptraum: Am Morgen nach der Party wird sie von einem Sondereinsatzkommando geweckt. Ihre Eltern wurden verhaftet. Ronja erfährt, dass es um einen der größten Fälle organisierter Kriminalität in NRW geht. Zweifel an ihrer vermeintlich heilen Familie kommen auf. Und Ronja gerät selbst ins Visier ...

FOLGE 2

Shibuya Dreams

Ronja ist fest entschlossen, die Unschuld ihrer Eltern zu beweisen. Nach dem ersten Gefängnisbesuch soll sie auf Bitten ihres Vaters Geld bei Schuldnern eintreiben. Dabei stößt sie auf Hinweise, die ihre Gewissheiten erschüttern. Sie zweifelt immer mehr an ihren Eltern ...

FOLGE 3

Underwater

Ronja entsorgt einen belastenden Fund im See und erfährt kurz darauf, dass Louis ihr mehr verschwiegen hat, als sie ahnte. Der Verrat trifft sie hart. Als sie sich der Polizei anvertrauen will, wird sie ausgebremst. Bei den Rockern erfährt sie schließlich: Peters Schulden sind nun ihre. Ronja soll ins Drogengeschäft einsteigen ...

FOLGE 4

Baking Bread

Um das verlorene Kokain zu ersetzen, strecken Ronja und Azra den Rest, und Ronja beginnt, tiefer ins Geschäft einzusteigen. Parallel kooperiert Maria mit der Staatsanwaltschaft und erklärt sich bereit auszusagen. In Ronja wächst ein beunruhigender Verdacht: Ihre Mutter könnte mehr mit den Rockern zu tun haben, als sie zugibt.

FOLGE 5

French Connection

Ronja ist in Südfrankreich, doch statt Urlaub zu machen, schmuggelt sie Kokain über die Grenze. Während sie tiefer ins Drogengeschäft rutscht und sich mit Louis versöhnt, riskiert Maria für ihre Tochter ihr Leben. Als Louis Ronjas Kurierjob übernimmt, endet der Deal dramatisch. Ronja hört am Telefon, wie er angeschossen wird ... 

FOLGE 6

Avelano

Mutter, Vater, Tochter – drei Perspektiven, drei Versionen der Vergangenheit. Im Prozess kämpft jeder für seine Wahrheit. Peter kommt dank einer weiteren Lüge und Ronjas Hilfe mit einer milden Strafe davon. Doch Marias Tagebuch enthüllt Ronja die Wahrheit über seine Verbrechen. Sie bricht endgültig mit ihm und reist nach Frankreich. Flucht oder Neubeginn – das bleibt offen.

INTERVIEW MIT HELENA ZENGEL (RONJA HUCK)

Frau Zengel, Sie haben sich mit „Westend Girl“ nach langer Zeit wieder für eine deutschsprachige Produktion entschieden. Was hat Sie an dieser Geschichte angesprochen?

Die Familiendynamik und vor allem die Reise von Ronja haben mich gereizt: wie sie sich von einem unschuldigen, gutgläubigen Kind zu einer jungen Frau entwickelt, die schließlich selbst kriminell wird. Dazu kommen die erste große Liebe und die erste Wahrnehmung als junge Frau. Diese ganze Entwicklung fand ich unglaublich spannend.

"Westend Girl" beruht auf einer wahren Geschichte einer Schulfreundin von Pola Beck. Wie haben Sie es empfunden, eine Figur zu verkörpern, für die es eine reale Vorlage gibt?

Es war sehr intensiv, eine Figur zu spielen, die auf einem realen Menschen basiert. Ich habe die „echte“ Ronja natürlich auch kennengelernt und war immer wieder sehr gerührt von ihrer Geschichte, von der Echtheit und auch von dem Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, Ronja verkörpern zu dürfen. Ich hatte deshalb auch einen hohen Anspruch an mich selbst, es gut zu machen – für die Zuschauer, aber eben auch für die echte Familie. Mich hat genau das besonders gereizt: einer wahren Geschichte eine Stimme zu geben und jemanden zu verkörpern, den es tatsächlich gibt. Dazu kommen die verschiedenen Fassaden von Ronja und die vielen unterschiedlichen Momente und Szenen, in denen sie quasi vor der Kamera erwachsen wird.

Ronja macht eine extreme wie rasante Entwicklung durch. Wie ändert sich das Verhältnis zu ihrer Mutter und zu ihrem Vater? Was macht das mit ihr? Und wie sehen Sie Ronjas Weg?

Ich denke, dass Ronja immer erwachsener wird. Sie entwickelt sich von einem unschuldigen, gutgläubigen Kind zu einer hinterfragenden und selbstbewussteren jungen Frau – und schließlich zu einer Tochter, die selbst kriminell wird. Lange will sie glauben, dass das alles nicht stimmt, dass ihre Eltern unschuldig sind und sie ihnen lediglich „hilft“. Aber sie rutscht immer weiter in das Schicksal ihrer Familie hinein und muss sich irgendwann der Wahrheit stellen. Ich denke, dass sie im Grunde weiß, dass ihr Vater „der Böse“ war, aber sie will es lange nicht wahrhaben. Beide Beziehungen zu ihren Eltern leiden darunter. Trotzdem empfinde ich Ronja eher als Vaterkind.

Wie geht Ronja aus diesem Albtraum hervor?

Auf eine Art geht sie gestärkt daraus hervor, auf eine andere aber auch gebrochen. Sie muss sehr schnell Dinge verstehen und erwachsen werden. Das sorgt am Ende der Serie für eine gewisse Reife, macht sie gleichzeitig aber auch sehr verletzlich und bietet eine große Angriffsfläche.

Was bedeutet Familie für sie? Wie würden Sie selbst mit Geheimnissen oder gar einem Vertrauensbruch umgehen?

Für Ronja ist ihre Familie alles und sie liebt ihre Eltern. Sie glaubt, eine tolle Kindheit gehabt zu haben. Sie denkt, dass sie immer geborgen und sicher war – und genau dieses Gefühl wird ihr praktisch über Nacht genommen. Ich glaube, mit einem solchen Vertrauensbruch umzugehen, ist unglaublich schwer, gerade wenn er von den Menschen kommt, die einem am nächsten stehen. Trotzdem glaube ich, dass Liebe und Enttäuschung nebeneinander existieren können und man seinen eigenen Weg finden muss, damit umzugehen.

INTERVIEW MIT LUCAS GREGOROWICZ (PETER HUCK)

Herr Gregorowicz, was ist Peter für ein Mensch, und was hat Sie gereizt, diese Figur zu verkörpern?

Peter ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Ein charismatischer Manipulator. Ein Spieler und Kämpfer. Die Drehbücher waren gut, Pola Beck und Stefan Schaller ein interessantes Regie-Duo, Helena Zengel eine Naturgewalt und Luise Heyer eine fantastische Schauspielerin.

Was interessierte Sie an dieser Geschichte?

Sie basiert auf realen Ereignissen. Das ist nochmal eine ganz eigene Zutat.

Ein scheinbar perfekter Vater: liebevoll, beschützend, umsorgend, fördernd, zugleich aber auch fordernd. Im Gefängnis und Therapiezentrum zeigt er ein anderes Gesicht. Was treibt ihn dazu an, seine Tochter zu instrumentalisieren?

Das ist eine Interpretation der Figur von außen und diese sollte idealerweise beim Zuschauer liegen. Diese Perspektive habe ich nicht, wenn ich spiele. Es waren intensive und sehr ambivalente Momente zwischen Vater und Tochter und meine Aufgabe ist es, eine Szene gemeinsam mit allen Beteiligten zum Leben zu wecken und im Sinne der Regie zu gestalten.

INTERVIEW MIT LUISE HEYER (MARIA HUCK)

Frau Heyer, die Figur, die Sie verkörpern, wirkt fragil, sie scheint unter der Dominanz und Erwartungshaltung ihres Mannes Peter zu zerbrechen. Was ist Marie für eine Frau, warum haben Sie diese Rolle spielen wollen?

An Maria hat mich sehr interessiert, dass man zunächst ein klares Bild von ihr zu haben scheint, wenn man die Drehbücher liest. Eine sich bewusste Frau, die ihr Kunstatelier hat, ihre Tochter über alles liebt und beschützen will und irgendwie von ihrem Mann und den damit verbundenen Lebensumständen nicht wegkommt. Auch weil es in bestimmter Weise ein sehr angenehmes Leben ist. 

Aber es fallen einem gleich einige Ambivalenzen und sogar Widersprüche auf. Mich da einzuarbeiten und zu schauen, wie diese möglicherweise entstanden sind, was für einen Erfahrungsstamm Maria haben muss, um so und so in dieser und jener Situation zu sein und zu handeln, fand ich sehr spannend. 

Für mich kristallisierte sich heraus, dass Maria diese Ambivalenzen wirklich lebt. Sie ist liebend und aufopfernd ihrer Tochter gegenüber und gleichzeitig steht aber sie selbst im Mittelpunkt ihres Seins. Ich habe Maria so angelegt, dass ich nicht wollte, dass die Lügen, die sie erzählt, bewusst oder berechnend eingesetzt werden. Sie sind ein Hilfsmittel, um das Bild, das sie nach außen wahren möchte, zu stützen. Vielleicht ist das Muster so tief verankert, dass sie es selbst glaubt. Vielleicht setzt sie es an anderen einem Punkt doch bewusst ein. 

Ich bewerte meine Figuren nicht. Ich versuche nur sie zu einem authentischen Menschen zu machen, dessen Handeln vielleicht nicht verstanden, aber gefühlt werden kann.

Was hat Sie an der Geschichte besonders berührt?  

Die Mutter-Tochter Beziehung. Und was das Handeln von Maria für Auswirkungen auf Ronja haben wird. Auch wenn vor allem Peters Handeln erzählerisch Auswirkungen auf Ronja hat, Marias Einfluss auf das Wesen ihrer Tochter, vielleicht auf ihre Unsicherheiten, ihre Fragen an die Welt und ihre eigene Existenz sind nicht unwesentlich ...

INTERVIEW MIT POLA BECK (REGISSEURIN UND CREATORIN)

SOWIE

STEFAN SCHALLER (REGISSEUR UND CREATIVE PRODUCER)

Frau Beck, die Serie beruht auf einer wahren Geschichte Ihrer Schulfreundin. Worin besteht der Wahrheitsgehalt?

Pola Beck: Um die Privatsphäre meiner Freundin und ihrer Familie zu schützen, möchte ich keine genauen Angaben zur wahren Geschichte machen. Aber ich kann sagen: Manche Dinge kann man sich einfach nicht ausdenken. Gerade die kleinen Details und auch die Einsicht in Gerichtsakten haben uns geholfen, die Serie so lebensnah wie möglich zu erzählen.

Besonders spannend fanden wir den moralischen Kern: Ein Kind hilft seinen Eltern, obwohl es von ihnen belogen wurde. Man würde erwarten, dass eine Familie an so einer Erfahrung zerbricht – tatsächlich ist sie dadurch eher näher zusammengerückt. Das hat auch uns gezwungen, klassische Vorstellungen von Gut und Böse zu hinterfragen und Ambivalenzen zuzulassen, was sowieso wichtig ist, wenn man vielschichtige Figuren erzählen will. Im Laufe der Stoffentwicklung sind Wahrheit und Fiktion immer mehr verschwommen. Irgendwann wussten wir selbst nicht mehr genau, was wirklich passiert war und was wir erfunden hatten. Nur so viel: Die verrücktesten Dinge in der Serie sind oft die, die wirklich passiert sind.

Was hat Sie daran gereizt, die Geschichte fiktional zu erzählen, worin sahen Sie das Potenzial?

Pola Beck: Als mir meine Freundin die Geschichte erzählt hat, dachte ich sofort: Was für ein Diamant! Eine junge Frau will gerade raus ins eigene Leben – und wird plötzlich in ein Doppelleben ihrer Eltern hineingezogen, von dem sie nichts wusste. Mich hat vor allem die besondere, eher ungewöhnliche Perspektive der Tochter gereizt: Wie sie Stück für Stück herausfindet, wer ihre Eltern wirklich sind, ihre Erinnerung zurück kommt und in welche Welt sie da hineingerät. Dazu dieser besondere Mix aus dramatischer Spannung und absurd-komischen Situationen – für mich war klar, das hat auch großes Entertainment-Potenzial. Ursprünglich wollten wir die Geschichte als Kinofilm erzählen. Aber dafür ist sie viel zu reich. So wurde daraus zusammen mit Richard Kropf und seinem Team eine sechsteilige Serie. Meine Freundin hat einmal zu mir gesagt, sie habe sich damals selbst manchmal wie in einem Film gefühlt. Ich bin dankbar, dass sie uns ihre Geschichte anvertraut hat und für sie war die Fiktionalisierung auch ein heilender Prozess.

Herr Schaller, wie ist es dazu gekommen, dass Sie die Serie gemeinsam mit Pola Beck inszenierten?

Stefan Schaller: Pola suchte zwei Jahre vor der Realisierung von „Westend Girl“ nach eine*r Regie Partner*in. Ich hatte mich wahnsinnig darüber gefreut, auch, weil ich ein großer Fan ihrer Arbeiten war. Wir haben uns dann relativ schnell vom ersten Treffen an gut verstanden, weil wir stilistisch ein ähnliches Gefühl für die Serie hatten. Eine gute Basis für eine gemeinsame Vision. Aber auch, weil uns beide gleichermaßen eine Erzählung interessiert hat, die fragmentarisch mit Rückblenden arbeitet und immer mehr Facetten der Figuren frei legt. Das war etwas, was wir beide schon immer machen wollten. Das war in den Büchern schon angelegt, wir haben das dann in der Entwicklung weiter intensiviert und vertieft. Was mich persönlich von Anfang an so gepackt hat: Diese Geschichte nicht rein linear zu erzählen. Sondern sie so zu erzählen, wie Ronja sie erlebt – nicht als Rückblick, sondern als etwas, das sie überwältigt. Das war für uns der künstlerische Schlüssel zu dieser Serie. Es ging darum, gemeinsam die beste Serie zu erzählen, sich gegenseitig kreativ zu ergänzen und unterschiedliche Gedanken einfließen zu lassen. Das war – gemeinsam mit den Autor*innen – eine wahnsinnig inspirierende Arbeitsweise. Und vielleicht hat es auch geholfen, dass wir beide Zwillingsgeschwister haben – diese Gemeinsamkeit hat uns irgendwie auch zusammengeschweißt.

Nach welchen Kriterien haben Sie sich die Umsetzung aufgeteilt?

Stefan Schaller: Wir hatten die Folgen lange Zeit nicht „aufgeteilt“, sondern gemeinsam mit den Autor*innen über alle Episoden gesprochen und entwickelt. Irgendwann war klar, dass wir uns jeweils für drei Folgen entscheiden müssen. Uns war wichtig, dass jede*r sowohl frühe als auch spätere Episoden inszeniert – um die Figuren wirklich von Anfang bis Ende zu begleiten. Pola hat die Pilotfolge inszeniert, die die Zuschauer*innen mit dem intensiven Verhör unmittelbar in Ronjas Welt wirft. Dieser erste Schock, diese Desorientierung, was ja auch für Polas Schulfreundin damals so war – das setzt den Ton. Episoden 3 und 4 führen das konsequent weiter, wenn Ronja immer tiefer in die Welt der Dark Armada hineingezogen wird. Mir wiederum hat von Anfang an Episode 2 gefallen, wo plötzlich eine neue Welt aufgeht: die der Eltern. Wenn Ronja sie zum ersten Mal im Gefängnis besucht, wird aus dem ersten Schock eine tiefe Erschütterung. Durch eine Scheibe ist sie von ihrer Mutter getrennt, ich weiß noch, wie mich das beim Lesen berührt hat. Der Moment, in dem Ronja endgültig der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Und an den Episoden 5 und 6 hing schon immer mein Herz – weil sich hier einlöst, was uns von Anfang an an dieser Geschichte fasziniert hat: dass Ronja ihre Kindheit nicht erinnert, sondern begreift, dass sie sie verdrängt hat. Das Finale in Frankreich, ein Courtroom-Drama, in dem plötzlich jeder gegen jeden kämpft – und gleichzeitig auch jeder der Drei um die Familie als solche. Das fand ich von Anfang an unglaublich spannend. Gerade weil jede*r für seine Folgen „gebrannt" hat, ist die Intensität entstanden, die sich von Folge zu Folge immer mehr zuspitzt. Durch alle sechs Episoden zieht sich eine gemeinsame Regie-Vision: die Perspektive von Ronja, die uns durch all diese Welten führt.

Wie kam es zu der Besetzung: Was brachte Helena Zengel mit, was Lucas Gregorowicz und Luise Heyer?

 Pola Beck und Stefan Schaller: Helena Zengel war tatsächlich eine sehr frühe Idee von uns für Ronja. Auch weil sie so einen „Punk“ hat und etwas sehr Heutiges, Eigenwilliges mitbringt. Gemeinsam mit unserer Casterin Nina Haun haben wir auch ältere Darstellerinnen gecastet, aber Helena überzeugte schon in der ersten Runde so, dass die Entscheidung trotz aller produktionellen Herausforderungen – Helena war zum Drehzeitraum erst 17 und das bedeutete kürzere Drehzeiten – eigentlich klar war. Lucas Gregorowicz war einer der frühen Favoriten von Pola für die Rolle Peter – er hat der Figur Humor und Tiefe gegeben, hatte instinktiv ein Verständnis für diese Vaterfigur, für die spielerische und verwegene Art von Peter. Und Luise Heyer und Stefan kannten sich aus einer früheren gemeinsamen Zusammenarbeit – und es war schnell klar, dass sie als Maria gleichzeitig fragil und stark sein kann, eine Figur, die man liebt und später auch fürchtet. Gerade wenn Maria immer bedrohlicher wird und die Serie in den Thriller kippt, trägt sie das emotionale Gewicht auf eine Weise, die uns auch am Set immer wieder umgehauen hat, von ihrem ersten Auftritt bis zum Finale. Mit Luise konnten wir überhaupt erst glaubwürdig eine Maria erzählen, die ein Geheimnis und eine ganz eigene Kraft hat – keine Frau, die von ihrem Mann in seine Machenschaften gezogen wird, sondern eine, die für ihn im Verlauf der Serie immer mehr zur Gefahr wird.

Was hat Sie dazu bewogen, worin sahen Sie die Stärken, Ronjas Gefühlswelt über eingewebte Rückblenden zu erzählen?

Pola Beck und Stefan Schaller: Was uns von Beginn an an den Drehbüchern fasziniert hat, war, wie stark sie das Publikum in Ronjas Perspektive und Gefühlswelt versetzen. Wir haben uns gefragt: Wie erzählen wir eine psychologische Charakterstudie über toxische Familien-Dynamiken — und das gleichzeitig als emotionales Drama und Thriller? Die nicht-lineare, fragmentierte Struktur war dabei für uns das entscheidende Mittel, denn in der Serie wird Erinnerung zu einem eigenen Charakter. Stilistisch war es uns wichtig, die verschiedenen Zeitebenen subtil zu behandeln – die Rückblenden erscheinen dabei oft nur als kurzes Flashes, nicht als ausgespielte Szenen. Als würde die Vergangenheit aktiv in die Gegenwart hineindrängen, wie bei einer Retraumatisierung. Je weiter die Serie voranschreitet, desto mehr Kindheitserinnerungen brechen bei Ronja auf, bis sie sich immer mehr zu einem ganzen Bild zusammenfügen und Ronja das ganze Ausmaß der Manipulation durch ihre Eltern begreift. Und dennoch kämpft sie die ganze Zeit darum, genau die Menschen zu retten, die sie in den Abgrund ziehen. Was als emotionales Familliendrama beginnt, kippt immer mehr in einen echten Thriller. Ein Beispiel dafür ist, wenn Ronja in Frankreich begreift, was sie als Kind verdrängt hat – und vor allem wie: dass sie schlimme Erinnerungen nicht einfach vergessen, sondern durch schöne ersetzt hat. Da bricht Vergangenheit und Gegenwart so aufeinander, dass man kaum noch unterscheiden kann, was wirklich passiert ist und was sie sich eingebildet hat. Zum Schluss gibt es einen Moment vor Gericht, in dem sie weinend ihre Kindheit als nahezu perfekt beschreibt – und wir nie wissen, ob das wahr ist oder ihr tief empfundener Wunsch. Das war unser wichtigstes Anliegen: obwohl Ronja zutiefst traurig ist, ist sie gleichzeitig hoffnungsvoll. Denn in der Desillusion liegt für sie auch eine Befreiung.

Was sprach dafür, sich für die Kinderdarstellerin Hanna Heckt als junge Ronja zu entscheiden?

Pola Beck und Stefan Schaller: Hanna ist uns in „In die Sonne schauen" schon früh aufgefallen – und die Ähnlichkeit zu Helena Zengel war verblüffend. In einem größeren Kindercasting mit Jacqueline Rietz ist sie dann am Ende auch total rausgestochen. Sie kann extrem gut mit Regieanweisungen umgehen, große Emotionswechsel mit einer Leichtigkeit spielen und hat dabei ein so sonniges Wesen, dass es eine echte Freude war, mit ihr zu drehen. Beim Dreh waren wir wirklich erstaunt, wie professionell sie bereits arbeitet – die Energie zu halten für die entscheidenden Takes, wo es zählt.

Worin lagen die Herausforderungen während des Drehs an den Drehorten Düsseldorf, Berlin, Südfrankreich und was war Ihnen bei der Inszenierung und der perspektivischen Erzählweise wichtig?

Pola Beck und Stefan Schaller: Die wahre Geschichte hat sich in Berlin zugetragen. Als die Entscheidung fiel, sie in Düsseldorf zu erzählen, war das zunächst eine große Umstellung – gleichzeitig aber auch eine künstlerische Befreiung. Wir konnten filmisch noch nicht so gesehene Drehorte entdecken. Aber besonders Frankreich war für uns eine große Herausforderung – vor allem für die Episoden 5 und 6. Was Episode 5 dabei so besonders wuchtig macht, hängt auch mit dem zusammen, was Episode 4 vorbereitet: Ronja begreift dort zum ersten Mal die wahren Zusammenhänge und beginnt selbst zu dealen. Als sie in Episode 5 in Frankreich ankommt, trägt sie diese Erkenntnis mit sich – und gleichzeitig bricht etwas auf, das sie als Kind verdrängt hat. Das ist das Besondere an unserer Zusammenarbeit: Die Folgen erzählen aufeinander aufbauend, jede trägt die nächste. Zum Ende der Serie erzählen wir immer freier mit den unterschiedlichen Perspektiven. In Episode 6 erleben wir in einem Courtroom-Drama, wie Maria, Peter und Ronja jeweils ihre ganz eigene Version der Ereignisse schildern. Denn die Relativität von Wahrheit ist eines der zentralen Themen der Serie. In der Inszenierung war uns dabei immer wichtig weg vom „Effekt" zu gehen und den Fokus auf Ronjas Emotion zu legen. Gerade auch bei den produktionell herausfordernden Action-Sequenzen in Episode 3 und 5, wenn Ronja in die Machenschaften des Motorradclubs „Dark Armada“ gezogen wird. Beide Episoden verfolgen denselben Ansatz, lösen ihn aber auf ganz eigene Weise. In Episode 3 bleibt die Verfolgungsjagd nah an Ronja – ist dabei aber auch humorvoll und spielerisch. In Episode 5 haben wir das Finale in einen Shoot-Out in Frankreich verwandelt, den Ronja live aus Deutschland miterlebt – tragisch und existentiell. Eine Parallelmontage, die uns erlaubt hat, nah an ihrer Psychologie zu bleiben, während ihr Freund in Frankreich um sein Leben kämpft.

Stab und Besetzung

STAB

Buch 

Richard Kropf (Headautor, Co-Creator), Luisa Hardenberg, Alexander Lindh, Katharina Brauer und Julian Gaupp-Maier

Pola Beck (Co-Creatorin), Stefan Schaller (Creative Producer)

Bildgestaltung

Yoshi Heimrath, Lisa Jilg

Szenenbild

Jurek Kuttner

Kostümbild 

Lucia Faust

Ton

Jörg Kidrowski

Licht

Tobias Vogel, Roman Breitwieser

Editor

David Achilles, Andrea Mertens

Maske

Christina Neuss

Casting

Nina Haun

Produktionsleitung

Tom Semmler (Berlin), Jutta Bürsgens (NRW, Frankreich)

Produzent

Martin Heisler (Flare Film)

Jan Wünschemann (Executive Producer)

Maxim Juretzka (Executive Producer)

Redaktion

Frank Tönsmann (WDR), Uta Cappel (ARTE)

BESETZUNG

Helena Zengel

(Ronja Huck)

Lucas Gregorowicz

(Peter Huck)

Luise Heyer

(Maria Huck)

Frederic Balonier

(Louis)

Samirah Breuer

(Azra)

Alexander Scheer

(Stucki)

Anja Herden

(Ohaka)

Alexander Finkenwirth

(Lindow)

Antje Traue

(Smicer)

Veysel Gelin

(Abdi)

Hanna Heckt

(Ronja, 10 Jahre)

u.v.a.

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